Was sich ändert
| Aspekt | Ausgabe 2015 | Ausgabe 2026 |
|---|---|---|
| Umgang mit Wissen | Wissen bestimmen, aufrechterhalten und im erforderlichen Umfang verfügbar machen. | Wissen bestimmen, bewahren, anwenden und teilen. |
| Bezugspunkt | Durchführung der Prozesse und Konformität von Produkten und Dienstleistungen. | Beabsichtigte Ergebnisse des QM-Systems. |
| Veränderungen | Bei sich ändernden Erfordernissen vorhandenes Wissen berücksichtigen und zusätzliches Wissen erlangen. | Inhaltlich vergleichbar, eingebettet in die neue Formulierung. |
Die Änderung klingt redaktionell, hat aber eine klare Richtung: Ein Wiki, das niemand nutzt, erfüllt 7.1.6 nicht mehr. Entscheidend ist, dass Wissen bei Personalwechseln erhalten bleibt, in der Arbeit tatsächlich genutzt wird und zwischen Personen und Bereichen fließt. Der neue Bezug auf die beabsichtigten Ergebnisse des QM-Systems macht zudem deutlich, dass nicht jedes Wissen gleich wichtig ist: Vorrang hat das Wissen, ohne das Qualität, Liefertreue oder Kundenzufriedenheit leiden würden.
Welches Wissen gemeint ist
Gemeint ist das Wissen, das die Organisation braucht, um ihre Prozesse durchzuführen und konforme Produkte und Dienstleistungen zu liefern. Es ist spezifisch für Ihr Unternehmen und entsteht meist aus Erfahrung. Typische Beispiele:
- Erfahrungen aus Reklamationen, Fehlern und Projekten, die nicht im Lehrbuch stehen,
- Einstellwerte, Kniffe und Prüfmethoden einzelner Fachkräfte,
- Kundenspezifisches Wissen über Erwartungen, Ansprechpartner und Besonderheiten,
- Wissen über Lieferanten und deren Stärken und Schwächen,
- externes Wissen aus Normen, Konferenzen, Kunden und Fachliteratur.
So setzen Sie 7.1.6 um
- 1
Kritisches Wissen bestimmen
Fragen Sie je Prozess: Welches Wissen fehlt uns, wenn diese Person morgen geht? Konzentrieren Sie sich auf die Antworten mit großer Auswirkung auf die Ergebnisse.
- 2
Bewahren
Halten Sie kritisches Wissen fest, etwa in Arbeitsanweisungen, Lessons-learned-Einträgen, Checklisten oder Videos, oder sichern Sie es über Stellvertretungen ab.
- 3
Anwenden
Sorgen Sie dafür, dass das Wissen dort ankommt, wo gearbeitet wird: in der aktuellen Anweisung, in der Einarbeitung, in der Prüfung.
- 4
Teilen
Schaffen Sie feste Anlässe für Austausch, etwa Fehlerbesprechungen, Projektabschlüsse oder Fachrunden, und machen Sie Wissen durchsuchbar.
- 5
Bei Abgängen handeln
Planen Sie bei Kündigungen und Ruhestand eine strukturierte Übergabe. Das ist der häufigste Moment, in dem Wissen verloren geht.
- 6
Wirksamkeit prüfen
Achten Sie auf Hinweise wie wiederkehrende Fehler nach Personalwechseln oder lange Einarbeitungszeiten und besprechen Sie sie in der Managementbewertung.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Hersteller von Spritzgussteilen hat eine erfahrene Einrichterin, die seit zwanzig Jahren weiß, welche Werkzeuge bei feuchter Witterung nachjustiert werden müssen. Dieses Wissen steht in keiner Anweisung. Als sie in Teilzeit wechselt, steigt der Ausschuss an zwei Maschinen.
Nach 7.1.6 hätte das Unternehmen das Wissen vorher als kritisch erkennen müssen. Ein sinnvoller Weg: Die Einrichterin dokumentiert die wichtigsten Einstellregeln gemeinsam mit der Qualitätsabteilung, ein Kollege lernt sie im Tandem an, und die Regeln fließen in die Arbeitsanweisung ein. Nach drei Monaten zeigt die Ausschussquote, ob das Wissen tatsächlich angewendet wird. Genau diese Kette aus Bewahren, Anwenden, Teilen und Prüfen verlangt die neue Formulierung.
Nachweise für das Audit
- eine Übersicht über kritisches Wissen je Prozess oder Rolle,
- Lessons-learned-Einträge aus Reklamationen, Abweichungen und Projekten,
- Einarbeitungspläne und Übergabeprotokolle bei Personalwechseln,
- Nachweise, dass Wissen genutzt wird, etwa aktualisierte Anweisungen nach einer Erkenntnis,
- Interviews: Beschäftigte wissen, wo sie Wissen finden und wie sie Erfahrungen weitergeben.
Typische Fehler
- 7.1.6 mit der Schulungsplanung nach 7.2 gleichsetzen. Kompetenz betrifft Personen, Wissen die Organisation.
- Ein Wissensportal einführen, aber keine Anlässe schaffen, es zu füllen und zu nutzen.
- Erkenntnisse aus CAPAs nicht in Anweisungen und Einarbeitung übertragen.
- Abgänge erfahrener Beschäftigter erst bemerken, wenn Fehler auftreten.
Umsetzung in docxpert
Freigegebene Dokumente sind in docxpert zentral auffindbar, und der KI-Wissensassistent beantwortet Fragen auf Grundlage Ihrer Dokumente mit Quellenangabe. So wird bewahrtes Wissen schneller angewendet. Erkenntnisse aus dem CAPA-Management fließen über das Änderungsmanagement in Anweisungen ein.
Die Vorlage „Kompetenz, Schulung & Bewusstsein“ enthält für die Ausgabe 2026 einen Abschnitt zu Bewusstsein und Organisationswissen. Einarbeitung und Unterweisungen belegen Sie im Schulungsmanagement. Im Umstellungsbereich gehört 7.1.6 zum Schritt „Bewusstsein“; einen Überblick über alle Änderungen gibt der Umstellungscheck.
Häufige Fragen
Brauche ich für 7.1.6 ein Wissensmanagementsystem?
Nein. Die Norm verlangt keine bestimmte Software und kein dokumentiertes Verfahren. Entscheidend ist, dass notwendiges Wissen bewahrt, angewendet und geteilt wird.
Was ist der Unterschied zwischen 7.1.6 und 7.2?
7.2 betrifft die Kompetenz einzelner Personen. 7.1.6 betrifft das Wissen der Organisation, das auch dann erhalten bleiben soll, wenn Personen wechseln.
Muss alles Wissen dokumentiert werden?
Nein. Manches Wissen wird besser über Einarbeitung, Tandems oder Austauschrunden weitergegeben. Dokumentieren Sie, was kritisch ist und sich sinnvoll aufschreiben lässt.
Wie zeige ich, dass Wissen geteilt wird?
Zum Beispiel mit Lessons-learned-Einträgen, Protokollen von Austauschrunden, aktualisierten Anweisungen nach Erkenntnissen und Interviews mit Beschäftigten.
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