Was sich in 4.1 und 4.2 ändert
| Abschnitt | Ausgabe 2015 | Ausgabe 2026 |
|---|---|---|
| 4.1 Organisation und Kontext | Interne und externe Themen bestimmen, die für Zweck und strategische Ausrichtung relevant sind. | Zusätzlich ausdrücklich bestimmen, ob der Klimawandel ein relevantes Thema ist. Eingeführt mit Amendment 1:2024, jetzt Teil des Normtextes. |
| 4.2 Interessierte Parteien | Relevante interessierte Parteien und deren relevante Anforderungen bestimmen und überwachen. | Neu: festlegen, welche dieser Anforderungen über das QM-System behandelt werden. Klimabezogene Anforderungen sind als Anmerkung genannt. |
Wer das Amendment von 2024 bereits umgesetzt hat, ist bei 4.1 weitgehend fertig. Neu für alle ist der zweite Schritt in 4.2. Bisher genügte eine Liste der Parteien und ihrer Anforderungen. Jetzt muss erkennbar sein, welche davon tatsächlich in Prozesse, Ziele oder Vorgaben des QM-Systems einfließen und welche bewusst nicht.
Was „relevant“ beim Klimawandel bedeutet
Die Norm verlangt keine Klimabilanz und keine CO₂-Ziele. Gefragt ist, ob der Klimawandel die Fähigkeit beeinflusst, konforme Produkte und Dienstleistungen zu liefern oder Kundenzufriedenheit zu erreichen. Die Antwort kann auch „nein“ lauten, wenn sie nachvollziehbar begründet ist.
- Lieferketten: Hitze, Starkregen oder Niedrigwasser können Transporte und Vorlieferanten treffen.
- Produkte und Dienstleistungen: Temperaturempfindliche Ware, Außeneinsätze oder Kühlketten sind direkt betroffen.
- Kundenanforderungen: Großkunden fragen zunehmend nach Emissionsdaten, Klimazielen oder Notfallplänen.
- Infrastruktur: Gebäude, Rechenzentren und Produktionsanlagen sind Wetterextremen ausgesetzt.
- Regulierung: Berichtspflichten von Kunden wirken über Lieferantenfragebögen auch auf kleine Unternehmen.
In fünf Schritten zur Umsetzung
- 1
Kontextanalyse ergänzen
Nehmen Sie den Klimawandel als eigenen Punkt in Ihre Analyse interner und externer Themen auf, zum Beispiel in die SWOT oder PESTEL. Mehr dazu im Glossar unter Kontext der Organisation.
- 2
Relevanz bewerten
Prüfen Sie Lieferkette, Produkte, Infrastruktur und Kundenanforderungen. Halten Sie Ergebnis und Begründung fest.
- 3
Parteien und Anforderungen aktualisieren
Ergänzen Sie in der Liste der interessierten Parteien klimabezogene Anforderungen, etwa Fragebögen von Kunden.
- 4
Behandlung festlegen
Entscheiden Sie je Anforderung, ob sie über das QM-System behandelt wird. Wenn ja, benennen Sie den Prozess, das Ziel oder das Dokument dazu. Wenn nein, halten Sie kurz fest, warum nicht oder wo sie stattdessen behandelt wird.
- 5
Bewerten und überwachen
Überprüfen Sie die Entscheidungen regelmäßig, mindestens zur Managementbewertung. Dort gehört die Veränderung der Erwartungen interessierter Parteien in der Ausgabe 2026 ohnehin zu den Eingaben.
Welche Nachweise das Audit erwartet
Die Norm schreibt für 4.1 und 4.2 keine bestimmte dokumentierte Information vor. In der Praxis erwarten Auditoren aber nachvollziehbare Ergebnisse. Bewährt haben sich:
- eine aktuelle Kontextanalyse mit Datum, Verantwortlichen und dem Punkt Klimawandel,
- ein Register interessierter Parteien mit ihren Anforderungen und einer Spalte „wird über das QMS behandelt: ja/nein, wo?“,
- der Bezug zu Risiken und Chancen nach 6.1, wenn aus dem Kontext Risiken folgen,
- das Protokoll der Managementbewertung, in dem Veränderungen besprochen wurden.
Typische Fehler
- Den Klimawandel pauschal als irrelevant abhaken, ohne Lieferkette und Kunden anzusehen.
- Eine lange Liste von Parteien führen, aus der nicht hervorgeht, was daraus folgt.
- Klimaziele in das QM-System übernehmen, die niemand verfolgt. Die Norm verlangt keine Umweltziele; wenn Sie welche setzen, müssen sie gelebt werden.
- Die Analyse einmal erstellen und nie wieder anfassen.
Umsetzung in docxpert
Die Vorlage „Kontext & interessierte Parteien“ der Vorlagenbibliothek enthält für die Ausgabe 2026 einen eigenen Abschnitt zur Kontextprüfung: Bedeutung des Klimawandels, bestimmte Anforderungen und die Entscheidung, welche davon über das QM-System behandelt werden. Sie passen die Vorlage an, lassen sie prüfen und geben sie frei wie jedes andere Dokument.
Im Umstellungsbereich ist das der Schritt „Kontext“. Dort verknüpfen Sie die freigegebene Analyse, vergeben Verantwortliche und Termine und sehen in der Gegenüberstellung, welche bestehenden Dokumente zu 4.1 und 4.2 bereits verknüpft sind. Wo Sie im Gesamtbild stehen, zeigt der Umstellungscheck.
Häufige Fragen
Muss ich wegen ISO 9001:2026 eine Klimabilanz erstellen?
Nein. Abschnitt 4.1 verlangt eine Entscheidung, ob der Klimawandel ein relevantes Thema für Ihr QM-System ist. Eine Klimabilanz oder Emissionsziele fordert ISO 9001 nicht.
Kann der Klimawandel für mein Unternehmen nicht relevant sein?
Ja, wenn die Entscheidung begründet ist. Prüfen Sie dafür mindestens Lieferkette, Produkte, Infrastruktur und Kundenanforderungen und halten Sie das Ergebnis fest.
Was ist in 4.2 wirklich neu?
Sie legen fest, welche der relevanten Anforderungen interessierter Parteien über das QM-System behandelt werden. Eine reine Liste der Parteien genügt nicht mehr.
Gilt das schon für mein Audit nach ISO 9001:2015?
Der Punkt Klimawandel gilt über Amendment 1:2024 bereits für Zertifizierungen nach 2015. Die neue Festlegung in 4.2 gehört zur Ausgabe 2026 und wird im Umstellungsaudit geprüft.
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