Der Ablauf im Überblick
- 1
QM-System aufbauen
Prozesse beschreiben, Dokumente erstellen, Verantwortlichkeiten festlegen.
- 2
System betreiben
Einige Monate Erfahrungen sammeln und Nachweise erzeugen.
- 3
Internes Audit und Managementbewertung
Das eigene System prüfen und durch die Leitung bewerten lassen.
- 4
Zertifizierungsstelle auswählen
Angebote einholen, Vertrag abschließen, Termine planen.
- 5
Stufe-1-Audit
Prüfung der Dokumentation und der Bereitschaft für Stufe 2.
- 6
Stufe-2-Audit
Prüfung der Umsetzung vor Ort.
- 7
Abweichungen beheben
Korrekturmaßnahmen planen und nachweisen.
- 8
Zertifikat
Gültig für drei Jahre mit jährlichen Überwachungsaudits.
Die Vorbereitung
Die meiste Arbeit liegt vor dem ersten Audit. Ein QM-System nach ISO 9001 muss nicht nur dokumentiert, sondern auch gelebt sein. Zertifizierungsstellen erwarten, dass Sie das System bereits einige Zeit betreiben – üblich sind mindestens drei Monate – und dass Nachweise wie Schulungen, Lieferantenbewertungen, Reklamationsbearbeitung, ein internes Audit und eine Managementbewertung vorliegen.
- Anwendungsbereich, Qualitätspolitik und Qualitätsziele festlegen.
- Prozesse und ihre Wechselwirkungen beschreiben, etwa mit einer Prozesslandkarte.
- Notwendige Dokumente erstellen und lenken – siehe ISO 9001 Pflichtdokumente.
- Mitarbeitende schulen und Kompetenz nachweisen.
- Risiken und Chancen bewerten und Maßnahmen festlegen.
- Mindestens einen vollständigen internen Auditzyklus durchführen.
- Eine Managementbewertung durchführen und dokumentieren.
Mit einer Gap-Analyse sehen Sie früh, wo noch Nachweise fehlen. Die Checkliste Zertifizierungsreife hilft beim letzten Check vor dem Audit.
Die Zertifizierungsstelle auswählen
Zertifikate werden von Zertifizierungsstellen ausgestellt, nicht von ISO selbst. Achten Sie darauf, dass die Stelle für ISO 9001 und Ihren Branchenbereich akkreditiert ist – in Deutschland durch die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS), in Österreich durch Akkreditierung Austria, in der Schweiz durch die SAS. Nur akkreditierte Zertifikate werden international anerkannt.
| Kriterium | Worauf achten |
|---|---|
| Akkreditierung | Für ISO 9001 und Ihren Branchenschlüssel (EA-Code) |
| Branchenerfahrung | Kennen die Auditoren Ihre Branche und Prozesse? |
| Auditorenkontinuität | Bleibt möglichst derselbe Auditor über den Zyklus? |
| Angebot | Auditdauer, Reisekosten, Zertifikatsgebühren, Kosten für Überwachungsaudits |
| Kombinierte Audits | Möglichkeit, weitere Normen wie ISO 14001 gemeinsam zu auditieren |
| Termine | Verfügbarkeit im gewünschten Zeitraum |
Das Stufe-1-Audit
Im Stufe-1-Audit prüft die Auditorin, ob Ihr QM-System bereit für die Zertifizierung ist. Es findet je nach Zertifizierungsstelle vor Ort oder remote statt und dauert meist einen halben bis einen Tag.
- Prüfung der Dokumentation: Anwendungsbereich, Politik, Ziele, Prozesse, Pflichtdokumente.
- Verständnis für Standort, Prozesse und Besonderheiten Ihres Unternehmens.
- Prüfung, ob internes Audit und Managementbewertung stattgefunden haben.
- Bewertung der Bereitschaft für Stufe 2 und Planung des Stufe-2-Audits.
Ergebnis ist ein Bericht mit Hinweisen, was bis zur Stufe 2 noch zu klären ist. Zwischen beiden Stufen liegen typischerweise einige Wochen, damit offene Punkte noch geklärt werden können.
Das Stufe-2-Audit
Im Stufe-2-Audit prüft die Zertifizierungsstelle vor Ort, ob das QM-System wirksam umgesetzt ist. Die Auditoren sprechen mit Führungskräften und Mitarbeitenden, beobachten Abläufe und prüfen Nachweise stichprobenartig. Die Dauer richtet sich nach Größe und Komplexität – für kleinere Unternehmen meist ein bis drei Tage.
| Typischer Prüfpunkt | Was gezeigt werden sollte |
|---|---|
| Führung | Die Leitung kennt Politik, Ziele und Ergebnisse und trifft Entscheidungen |
| Prozesse | Abläufe entsprechen den Vorgaben, Kennzahlen werden genutzt |
| Dokumentenlenkung | Am Arbeitsplatz liegen gültige Fassungen vor |
| Kompetenz | Qualifikationen und Schulungen sind nachgewiesen |
| Kunden | Anforderungen werden geprüft, Reklamationen bearbeitet |
| Verbesserung | Abweichungen führen zu wirksamen Korrekturmaßnahmen |
Tipps für die Audittage
- Ansprechpersonen festlegen: Für jeden Bereich steht eine Person bereit, die Abläufe erklären und Nachweise zeigen kann.
- Mitarbeitende vorbereiten: Erklären Sie, wie ein Audit abläuft, und ermutigen Sie zu ehrlichen Antworten. „Das weiß ich nicht, ich zeige Ihnen, wo es steht“ ist eine gute Antwort.
- Nachweise griffbereit: Dokumente, Berichte und Aufzeichnungen sollten schnell auffindbar sein – idealerweise in einem System statt in Ordnern.
- Nichts schönreden: Auditoren erkennen Inszenierungen. Offen benannte Schwächen mit laufenden Maßnahmen wirken überzeugender als ein perfektes Bild.
- Abschlussgespräch nutzen: Fragen Sie nach, wenn eine Feststellung unklar ist, und klären Sie Fristen für Maßnahmen.
Umgang mit Abweichungen
| Einstufung | Bedeutung | Folge |
|---|---|---|
| Hauptabweichung | Eine Anforderung ist nicht erfüllt, mit Auswirkungen auf die Wirksamkeit des Systems | Zertifikat erst nach nachgewiesener Behebung, ggf. Nachaudit |
| Nebenabweichung | Einzelner Mangel ohne systematischen Charakter | Maßnahmenplan innerhalb einer Frist, Prüfung im nächsten Audit |
| Verbesserungspotenzial | Hinweis ohne Abweichung | Keine Pflicht, aber sinnvoll zu bewerten |
Behandeln Sie Abweichungen wie jede andere Nichtkonformität: Ursache analysieren, Korrekturmaßnahme festlegen, Wirksamkeit prüfen. Mehr im Ratgeber CAPA Prozess.
Nach dem Zertifikat: der Dreijahreszyklus
| Zeitpunkt | Audit | Umfang |
|---|---|---|
| Jahr 0 | Zertifizierungsaudit (Stufe 1 und 2) | Gesamtes System |
| Jahr 1 | Erstes Überwachungsaudit | Stichprobe, etwa ein Drittel der Zertifizierungsdauer |
| Jahr 2 | Zweites Überwachungsaudit | Stichprobe |
| Jahr 3 | Rezertifizierungsaudit | Gesamtes System, rund zwei Drittel der Erstzertifizierung |
Das Zertifikat bleibt gültig, solange die Überwachungsaudits fristgerecht stattfinden und Abweichungen behoben werden. Nutzen Sie die Überwachungsaudits als externe Rückmeldung, um Ihr System gezielt weiterzuentwickeln.
Wie lange dauert eine ISO-9001-Zertifizierung?
| Ausgangslage | Typische Dauer bis zum Zertifikat |
|---|---|
| Gelebte Prozesse, aber wenig Dokumentation | 4 bis 6 Monate |
| Teilweise vorhandenes QM-System | 6 bis 9 Monate |
| Start bei null, mehrere Standorte | 9 bis 12 Monate oder mehr |
Entscheidend sind die verfügbare Zeit der Beteiligten, die Unterstützung der Leitung und die Frage, ob Vorlagen und Werkzeuge genutzt werden. Den größten Zeitfaktor bildet meist die Betriebsphase, in der Nachweise entstehen müssen – diese lässt sich nicht beliebig verkürzen.
Was kostet eine ISO-9001-Zertifizierung?
Die Kosten setzen sich aus mehreren Blöcken zusammen. Konkrete Beträge hängen stark von Größe, Standorten, Branche und Zertifizierungsstelle ab – holen Sie mehrere Angebote ein.
| Kostenblock | Einflussfaktoren |
|---|---|
| Zertifizierungsstelle | Auditdauer nach Mitarbeiterzahl und Komplexität, Tagessatz, Reisekosten, Zertifikatsgebühr |
| Überwachungsaudits | Jährlich, kürzer als die Erstzertifizierung |
| Interner Aufwand | Zeit von QM-Leitung, Führungskräften und Mitarbeitenden |
| Beratung (optional) | Tage externer Unterstützung beim Aufbau |
| Software und Schulungen | QM-Software, Auditorenschulung, Normen |
Die Auditdauer orientiert sich an internationalen Vorgaben (IAF MD 5), die nach Zahl der Beschäftigten und Komplexität gestaffelt sind. Für kleine Unternehmen beginnt sie bei wenigen Audittagen.
Typische Stolpersteine
- Dokumentation ohne Praxis: Ein schönes Handbuch, aber im Alltag wird anders gearbeitet.
- Kein internes Audit vor der Zertifizierung: führt fast sicher zu einer Abweichung.
- Leitung nicht eingebunden: Die Geschäftsführung kann Politik und Ziele im Audit nicht erläutern.
- Zu spät angefangen: Zwischen Aufbau und Audit fehlt die Zeit, um Nachweise zu erzeugen.
- Zu viel auf einmal: Ein überladenes System mit zu vielen Dokumenten wird nicht gelebt.
Zertifizierungsvorbereitung mit docxpert
docxpert unterstützt die gesamte Vorbereitung: 23 Vorlagen mit ISO-9001-Bezug, eine Gap-Analyse gegen die Normanforderungen, gelenkte Dokumente mit Freigabe und Lesebestätigung, Schulungen mit Qualifikationsmatrix sowie CAPA und Abweichungen. Im Audit zeigen Sie Nachweise direkt im System; der Audit-Trail belegt jede Änderung.

Häufige Fragen
Wie lange ist ein ISO-9001-Zertifikat gültig?
Drei Jahre, unter der Voraussetzung, dass die jährlichen Überwachungsaudits erfolgreich stattfinden. Danach folgt ein Rezertifizierungsaudit.
Kann man sich ohne Berater zertifizieren lassen?
Ja. Viele kleine und mittlere Unternehmen bauen ihr QM-System selbst auf – mit Vorlagen, Software und gegebenenfalls punktueller Unterstützung. Wichtig sind Zeit, Unterstützung der Leitung und eine strukturierte Vorgehensweise.
Wie viele Audittage brauche ich?
Das hängt von Mitarbeiterzahl, Standorten und Komplexität ab und wird von der Zertifizierungsstelle nach internationalen Vorgaben berechnet. Kleine Unternehmen kommen oft mit wenigen Tagen für Stufe 1 und 2 zusammen aus.
Was passiert bei einer Hauptabweichung?
Das Zertifikat wird erst ausgestellt, wenn die Abweichung behoben und die Korrekturmaßnahme nachgewiesen ist – gegebenenfalls mit einem Nachaudit.
Muss ISO 9001 für das ganze Unternehmen gelten?
Nein. Der Anwendungsbereich kann auf bestimmte Standorte, Produkte oder Dienstleistungen begrenzt werden, muss aber nachvollziehbar sein und auf dem Zertifikat stehen.
Kann das Audit remote stattfinden?
Teilweise. Das Stufe-1-Audit und einzelne Teile können remote erfolgen. Für Produktion und Abläufe vor Ort ist meist ein Besuch nötig. Die Regeln legt die Zertifizierungsstelle fest.
Was ist der Unterschied zwischen Zertifizierung und Akkreditierung?
Unternehmen werden von Zertifizierungsstellen zertifiziert. Zertifizierungsstellen werden von nationalen Akkreditierungsstellen wie der DAkkS akkreditiert, die ihre Kompetenz bestätigen.
Was passiert, wenn eine neue Fassung der ISO 9001 erscheint?
Nach Veröffentlichung einer neuen Fassung gibt es üblicherweise eine Übergangsfrist von drei Jahren. In dieser Zeit wird das System auf die neue Fassung umgestellt, meist im Rahmen eines regulären Audits.
Wie bereite ich Mitarbeitende auf ein Zertifizierungsaudit vor, ohne Antworten auswendig zu lernen?
Erklären Sie den Zweck des Audits und machen Sie deutlich, dass Mitarbeitende ihre tatsächliche Arbeit beschreiben sollen, nicht Normformulierungen aufsagen. Jede Person sollte wissen, welche freigegebene Anweisung für ihre Tätigkeit gilt, wo sie diese findet und wie sie bei einer Abweichung oder Unsicherheit reagiert. Üben Sie typische Übergaben und zeigen Sie, wie Nachweise im Alltag entstehen. Bitten Sie Teams, Dokumente und Aufzeichnungen selbst aufzurufen, statt sie nur in einer Präsentation zu zeigen. Vermeiden Sie kurzfristige Sonderregeln, die nicht dem gelebten Prozess entsprechen; beheben Sie reale Lücken vor dem Audit und dokumentieren Sie Maßnahmen. Wenn eine Frage außerhalb des eigenen Aufgabenbereichs liegt, ist es sinnvoll, an die zuständige Person zu verweisen. Authentische Routine ist überzeugender als einstudierte Antworten.
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